*** Aktuelle BTW21 Prognose (24.11.2017 19:00:32 CET): CDU/CSU 31.9, SPD 21.1, AFD 11.9, GRÜNE 11.1, FDP 10.2, LINKE 9.4 ... Klicken Sie auf den Text für weitere Details ... ***

Parteien als Basis der Politik

Michael StarkeDie Falle ist einfach gestellt. Steuersenkungen werden versprochen. Deutliche Entlastungen für alle. Vor allem für Eltern mit und ohne Kinder. Und auch die Alten sind dabei. Nie wieder soll es Kürzungen bei den Renten geben. Die Renten sollen am besten jedes Jahr steigen. Sie werden sicher sein! Versprochen! Dazu das Rentensicherungsgesetz! Außerdem kommen dann noch die Steuerbefreiung von Aktiengewinnen und die dauerhafte Förderung der eigenen Arbeitsplätze in der deutschen Industrie. Förderung von bereits getätigten Investitionen.

Okay bei jungen Leuten und Armen kann man sparen. Junge Leute müssen erst mal was vorweisen und die Armen können ja eh nichts. Egal, eine Lobby haben beide nicht. So wird es glaubwürdig, ein bisschen Härte wirkt wie Wahrheit. Also überlege nicht lange: Wähle mich, ich bringe das goldene Paradies. Ich mache Geschenke. Ich bin der bessere. Ich bin das Alpha-Tier! I am your new leader! Das wollen wir jetzt nicht übersetzen.

Wir haben in der Serie ausführlich über die veralteten Strukturen der großen drei Parteien gesprochen, die listige Wahlversprechen aus den Spitzen der Parteien ermöglichen. Auch über Modernisierungsansätze wie Liquid Democracy von Parteien wie den Piraten haben wir diskutiert. Jetzt kommen wir zum endgültigen Finale. In den nächsten Teilen geht es um den Verkauf und der Lebenszeit von Versprechungen. Und um ein Rezept gegen die politische Resignation! Denn die Demokratie fördert auch das Recht auf die eigene Meinung und explizit auf den Protest. Eigenes selbstständiges Denken und Reflektion zeichnen den Homo sapiens sapiens aus.

Wie kommen denn nun die Versprechungen zustande? Sie mögen es nicht glauben, aber in den Spitzen der Parteien sind einfache aber geschickte Manager, die mit Marketingagenturen und Politikprofis ein Beratergremium bilden. Also jetzt nicht wirklich richtige Manager wie in der Wirtschaft. Aber immerhin: Sie managen die alten Strukturen und eine immer mal wieder unruhige Basismasse.

In diesem Beratergremium wird geklärt, was welche Partei wie verkaufen und vorschlagen will – alles inklusive Wettbewerbsanalyse. Das ist ein wenig Parteiprogramm light. Dazu kommen noch Psychogramme und Markttests der potentiellen Käufergruppe. Denn es geht darum, komplexe Programme in einfache leichte Produkte umzuwandeln. Die Versprechungen werden im wahrsten Sinne des Wortes wie Produkte behandelt. Wie ja heute alles nur noch als Produkt bezeichnet wird. Wir sind keine Menschen mehr. Wir sind alle wandelnde Produkte. Verkaufe Dich! Euphemismus ist keine Lüge! Die Welt will belogen werden! Wer nicht lügt ist ein Verlierer. Ehrlichkeit stirbt zuerst!

Moment! Ein paar Zeilen höher stand etwas von Käufergruppe? Ich dachte es geht um Wahlen!? Naja. Es gibt kaum einen Unterschied, ob Sie ein Produkt wegen der Werbung kaufen oder jemanden wählen. Die psychologische Wirkung von Produkt- und Wahlwerbung ist nahezu identisch. Der Mensch, der wählt, ist schon mal glücklich, weil er die vermeidlichen Guten gewählt hat oder immerhin überhaupt eine gute Entscheidung getroffen hat. Das psychologische Spiel wirkt.

Wenn Sie mich kaufen, tun Sie sich selber etwas Gutes! Und wenn Sie mich gerade deswegen kaufen, dann wird Ihnen das aus der Versprechung heraus schon gut tun. Das ist selbsternährend und äußerst effektiv. Denn es ist der Selbstschutz. Sie haben schließlich Geld – also Ressourcen und Energie – dafür ausgegeben. Jetzt einzugestehen, dass es herausgeworfen war, wäre fatal. Da wirkt sofort das Unterbewusstsein als Schutzmechanismus: Ganz ruhig, das war schon gut!

Belohnungsprinzip – ick liebe dir!

Da beginnt die nächste schreckliche Parallelität. Denn die Werbung bei herkömmlichen Produkten wie zum Beispiel Lebensmitteln stecken – wie ja bekannt sein sollte – voller Lügen. Da werden teure Joghurts als Allheilmittel angepriesen, obwohl die Wirkung genau so ist wie beim normalen Billigjoghurt. Aber dessen Verpackung ist halt nicht hipp und verspricht auch nichts. Er ist halt nur bekanntlich gesund. Zusätzlich ist der teure Gesundmacher in Wirklichkeit sehr ungesund: Als Geschmacksverstärker hat man ordentlich Zucker beigefügt.

Am Ende gibt es noch die Geld-zurück-Garantie, die man deswegen anbieten kann, weil selbst die Enttäuschten niemals wirklich ihr Geld zurückfordern würden. Ist ja zu kompliziert. So ist das mit der Werbung: Je doller sie wirbt, umso misstrauischer sollte der Verbraucher sein. Tut er aber nicht, denn der Verbraucher sucht nach Dingen, die ihn weiterbringen und oder glücklich machen. Für Prüfung und Verschwörung bleibt keine Zeit. Am Ende geht es um Belohnung seiner selbst.

Und darum fällt der Mensch immer wieder darauf rein. Der Mensch raucht so lange Zigaretten, bis die Lunge am Ende ist, der Kreislauf vor sich hin siecht oder die Lautstärke des Herzschlags den Menschen nicht mehr schlafen lässt. Trotz aller Warnungen. Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht. Dagegen kann man nicht viel vorbringen. Denn das ist letzten Endes der Instinkt, der zu dieser Handlung führt. Das ist der Unterschied zwischen Homo sapiens und Homo sapiens sapiens.

Die Marketingfirmen dieser Welt sind inzwischen darauf besonders spezialisiert. Psychologie über Video und Audio und sogar schon über Geruch und Tastsinn sind den Marketingexperten bekannt. Der Mensch ist ein gläsernes Objekt, das man durch den Supermarkt steuert. Der Homo sapiens als ein durch seine eigene Art jeder Zeit manipulierbares Lebewesen.

Nicht anders ist es bei Wahlen und den Versprechungen der etablierten Parteien. Manipulation der Wähler ist das eigentliche Ziel. Wäre eine Wahl so einfach wie ein PC-Spiel, dann hätten Sie jede Wahl mit diesem Programm schon gewonnen. Aber so einfach ist das auch wieder nicht. Auch das relative Charisma des Kandidaten spielt eine Rolle. Mag man Angela Merkel auch kein großes Charisma unterstellen. Bei der letzten Wahl war ihr Konkurrent Frank-Walter Steinmeier inklusive hölzerner Namensstruktur kein charismatischer Konkurrent. Im Wettkampf ist halt alles relativ. Man gewinnt einen 100 Meter Sprint auch in 30 Sekunden – wenn keiner schneller ist.

Es bleibt zum Schluss dieses Teil die Erkenntnis der vielen Versprechungen! Da weiß man gar nicht, wo man sein Kreuz machen soll. Keine Angst. Das Kreuz ist fast egal, denn: Diese Versprechungen werden eh nicht gehalten. Aber der Wahlgewinner ist daran immer ganz unschuldig. Und das wird ungemein glaubwürdig herüber gebracht. Wie das funktioniert?

Fortsetzung folgt …