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Ilse Aigners Statistik-Müll

Club of PoliticsIlse Aigner erschreckt Deutschland. Wieder einmal eine Statistik aus ihrem Hause. Deutsche Bürger werfen jährlich 81 Kilo Lebensmittel pro Kopf vermeidbar auf den Müll. Hat denn Frau Aigner höchstpersönlich über Webcam und V-Männer nachschauen lassen und jeden Müll gezählt?

Nein, dafür bezahlt man mit Steuergeldern Studien. Neudeutsch: Man fördert Studien. In ihrem aktuellen Fall eine Studie, die das Bundesamt für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei der Universität Stuttgart in Auftrag gegeben hat.

Nicht ganz, denn das mit dem Auftrag ist inkorrekt: Man hat die Studie ja eben nur gefördert.

Gewagte Müllerfassung

Zur Sache: Diese Studie gibt bei der Untersuchung privater Haushalte an, dass für Entsorgung von Lebensmittelabfällen verschiedene Wege zur Verfügung stehen. Eine davon – das kommunale Abfallsammelsystem deckt nur einen Teil ab. Dieses System konnte man als einziges System wirklich erfassen. Man denke an müllstöbernde Volkszähler, die wahrscheinlich im Nebenjob die GEZ-Gebühren eintreiben. Die Daten für Eigenkompost, Kanalisierung und Verfütterung an Haustieren konnten nicht erfasst werden. Diese habe man am Ende wage und ungenau hochgerechnet.

Unsichere Datenlage

Wörtlich: „Die zusätzliche Menge in diesen Entsorgungswegen lässt sich aufgrund der unsicheren Datenlage jedoch nur ungefähr abschätzen“ Auf Basis welcher Daten? Darüber schweigt man. Wahrscheinlich gibt es vergleichbare Studien aus der Vergangenheit. Das Problem: Auch jene Studien haben die Werte wohl auf Basis anderer Studien hochgerechnet. So kann aus einer alten Studie mit wage hochgerechneten Werten schnell ein Beweis für die eigenen Werte werden. Das nennt man eine sich selbsternährende Prognose.

Selbsternährende Studien

So brüstet man sich auch noch damit, dass eigene Werte mit den Werten anderer Studien übereinstimmen. Das ist eben Statistik: Wenn man immer denselben statistischen Fehler begeht, dann kann man auf identische Zahlen gelangen. Die Natur der Mathematik ist hier nicht wählerisch. Beispiel: Neulich erst hatte ein Forscherteam angeblich eine neue physikalische Kraft entdeckt. Am Wende waren es Fehler in Messinstrumenten und damit in der Software sich selbsternährende geisterhafte Fakten.

Niemand will verschweigen, dass private Haushalte viel Müll wegwerfen. Zum Beispiel Parteienwerbung als Flugpost oder als Plakate, die auf Hochglanz gedruckt die Umwelt schwer belasten. Aber man sollte seriös ermitteln. Frau Aigner sollte sich nicht in Aktionismus verfangen nur um auf sich aufmerksam zu machen. Manche sprechen von Aigners Symbolpolitik. Es gibt schlimmeres zu diesem Thema. Der Club sagt es offen: Wir reden über Ilse Aigners Müll.

Müll in der Herstellung

Zum Beispiel die harte Realität der Lebensmittelherstellung. Jährlich werden Millionen Tonnen von Obst und Gemüse mit kleinen Makeln vernichtet oder bleiben verrottend auf dem Feld liegen, weil sie nicht den Handelsvorgaben entsprechen. Überproduktionen wertvoller Gemüse werden vernichtet oder als billiges Tierfutter verwertet. Diese Zahlen findet man in Aigners Studie so nicht wieder.

2 Kilo Karotten für den Singlehaushalt

Auch werden in den Supermärkten immer mehr Großverpackungen billig angeboten. Kleinere Packungen, die dem deutschen Durchschnittshaushalt eher entsprechen, findet man nirgends. Was soll zum Beispiel ein 1 bis 2 Personen-Haushalt mit einem ganzen Sack von nahezu 20 Zwiebeln aus einem Billigsupermarkt anstellen? Der Rest muss weggeworfen werden, bevor die Zwiebeln Wurzeln schlagen. Großpakete sind billigst, weil der Markt so große Mengen schneller an den Konsumenten abgeben kann. So wird der Verbraucher zum Wegwerfen gezwungen.

Aigner gängelt Bürger statt die Industrie

Bevor man also wieder den normalen Bürger gängelt und drängelt, sollte Frau Aigner dazu übergehen, das Vorgehen in Industrie und in der Landwirtschaft zu korrigieren. Doch das ist halt mühselig. Und da wirkt sich Lobbypolitik wieder einmal nachteilig für den Bürger aus. Außerdem: Mit der aktuellen Studie erhofft sich Frau Aigner ein wenig Öffentlichkeit. Man bringe ein mahnendes Thema und hoffe auf Aufmerksamkeit, denn: Wer wagt es schon, dieses Thema zu kritisieren?

Ilse beim Bio-Markt

Wir tun es Ilse Aigner. Beginnen Sie bei der Produktion und Verpackung von Lebensmitteln und nicht beim Bürger. Der muss angesichts schwindender Kaufkraft auf das zurückgreifen, was der Markt billig anbietet. Wer eine Karotte bei Aldi oder Lidl kaufen will, der muss den 2 Kilo Beutel kaufen, weil es keine kleineren Mengen gibt. Frau Aigner hat es mit ihrem Gehalt einfacher: Sie geht in den teuren Bio-Markt und kauft die einzelne Karotte zum Preis, der für den normalen Bürger so nicht bezahlbar ist. Dazu pikant: Bio ist die Karotte wahrscheinlich nicht. Denn wir wissen: Auf Grund der hohen Nachfrage nach Bio-Produkten wandert auch schon mal das eine oder andere „Giftgemüse“ auf den grünen Tisch.

Bon Appetit, Club of Politics.