Das Schweigen des Bundespräsidenten

Der schweigsame Wulff

Club of PoliticsChristian Wulff – amtierender Bundespräsident Deutschlands – versinkt immer tiefer in Vorwürfen gegen seine Person. Auf glaubwürdige Erklärungen oder gar Entschuldigungen wartet der Bürger vergeblich.

Im neuesten Fall soll Wulff laut SPIEGEL, FAS und der Süddeutschen den Chefredakteur der Bildzeitung Kai Diekmann vor der ursprünglichen Veröffentlichung zum Thema Wulff-Kredite Mitte Dezember angerufen und auf dessen Mailbox gesprochen haben. Von Krieg sei die Rede gewesen. Wulff drohte mit „einem endgültigen Bruch“, wenn die Veröffentlichungen nicht zurückgehalten würden.

Laut SPIEGEL soll Wulff sogar versucht haben, den Chef der Springer AG Döpfner über ein Telefonat dazu zu bringen, bei Diekmann Einfluss geltend zu machen. Döpfner solle dies abgelehnt haben, da er sich nicht in die Belange der Redaktion einmische.

Es ist an der Zeit, einen neuen Kandidaten für den Posten des Präsidenten zu suchen. Wulff wird nun offenbar sogar von der Bildzeitung abserviert. Wie anders kann man sich erklären, dass die Inhalte von Kai Diekmanns Mailbox an die FAS und an die Süddeutsche gelangen?

Ist es denn wirklich möglich, dass ein Mensch im Amte des Präsidenten ist, der solche Sätze auf die Mailbox eines Journalisten spricht? Eine solche Handlung verbiete sich bei sofortiger Betrachtung durch ein intelligentes Hirn. Und wenn dies alles falsch sein soll, dann bliebe die Frage offen: Warum darf solch eine Aussage über einen ganzen Tag ohne jegliche Gegenrede im Raum stehen?

Wie lange noch wollen die handelnden Politiker zuschauen, wie das gut dotierte aber politisch belanglose Amt des Bundespräsidenten von einem offensichtlich desorientierten Wulff beschmutzt wird? Wenn er meint, unschuldig zu sein, dann wäre es schon 2011 an der Zeit gewesen, endlich alle Fakten auf den Tisch zu legen. Doch alleine durch sein langes Schweigen und durch die zögerlichen Reaktionen Wulffs ist das Amt unabhängig von den Tatsachen beschädigt worden.

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Autor: Michael Starke | Rubrik: Politik | 2. Januar 2012
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