*** Aktuelle BTW21 Prognose (17.11.2018 19:00:28 CET): CDU/CSU 26.5, GRÜNE 22.1, SPD 14.2, AFD 14.0, LINKE 9.3, FDP 8.6 ... Klicken Sie auf den Text für weitere Details ... ***

Bedauerlicherweise entscheidet der Wähler

Club of PoliticsVerheerender hätte es für die Prognostiker nicht sein können. Lag die CDU wochenlang zwischen 30 und 34 Prozent so endete die Wahl für die CDU am letzten Sonntag bei knapp 26 Prozent. Eine Überraschung.

Gleichzeitig übertraf die FDP mit fast 9 Prozent ihren prognostizierten Bereich von 4 bis 6 Punkten. Wie ist das zu erklären? Haben alle Prognostiker bei der Berechnung versagt?

Der Club of Politics hatte zur NRW-Wahl keine Zahlen angegeben. Landtagswahlen bergen viele Gefahren, zu wankelmütig waren die auswertbaren Zahlen.

Und vor allem: Der Club enthielt sich der Stimme angesichts einer Wahl zwischen Mutter Kraft und Diplom-Schüler Röttgen. Auf diese Rollen und Personen war die Wahl fixiert, Parteifarben standen hier eher im Hintergrund. Auf Basis dieses Drehbuches ist es schwer, eine Vorhersage zu treffen.

Denn Sympathien und Antipathien können sich in kürzester Zeit drehen. Und genau dort mussten die anderen Prognostiker Feder lassen. Was nützen einem die vielen Umfragen, wenn wenige Tage vor der Wahl einer der Kandidaten mit einem Faux Pax die Wählerschaft verärgert. So geschehen in NRW.

Hatte Röttgen nicht schon genügend Ärger mit seinem zögerlichen Bekenntnis zu NRW im Falle einer Niederlage (wolle er nach Berlin zurückkehren), so erlegte er sich wenige Tage vor der Wahl selber als kapitalen Bock: Im ZDF gab er bekannt: „Bedauerlicherweise entscheidet nicht die CDU über den Ausgang der Wahl, sondern der Wähler“. Kaum einer bemerkte den Spruch und nach einer Nachfrage entdeckte Röttgen den Sinn seiner Aussage. Aber es war zu spät. Wer beim Wähler das Image eines Diplom-Schülers trägt, der wird für solche Sprüche deutlich härter bestraft als Sympathieträger.

Dass er danach die Wahl auch noch als Test für die Regierungspolitik in Berlin sah muss dem NRW-Wähler dann vollkommen spanisch vorgekommen sein. So schaffte es Röttgen, die Wähler wenige Tage vor der Wahl zu einer Entscheidung zu bringen: Viele Unionswähler blieben der Wahl fern. Es sind in Zahlen ganze 330.000. Dazu wanderten circa 140.000 Wähler an SPD und FDP ab. Die Zahl der Wechselwähler an die FDP zeigt erneut die Vermutung des Club of Politics: Die Unionswähler geben ihre Leihstimme den Liberalen.

Fazit: Gegen diese Selbstverstümmelung durch den Spitzenkandidaten der CDU in einem auf die Person ausgerichteten Wahlkampf können selbst die besten Prognostiker nichts ausrichten. Den Wahlbörsen im Internet (sie schließen oft eine Stunde vor Wahlende) waren diese Wählerbewegung ebenfalls entfallen. Ein Lob muss man dann schon Infratest Dimap für die ARD und die Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF aussprechen. Mit ihren Umfragen direkt vor den Wahllokalen waren sie schon vor 18:00 in der Lage, das Debakel der CDU vorherzusagen.