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Obama der schwarze Bush

Club of PoliticsEs ist wie zu alten Bush-Zeiten, so dass man vermuten darf: Die USA inszeniert einen Verdachtsmoment, findet dafür leichtgläubige Verdächtige und schon hat man einen Anschlag verhindert. Zufällig ist wieder ein Mitglied der bösen Schurkenstaaten involviert: Der schiitische persische Staat Iran.

Obama schwingt den Colt

Sofort ist für Obama klar: Der Iran plante einen Terrorakt mit Hilfe seinen Eliteeinheiten in den USA gegen die Botschaft von Saudi Arabien.

Doch einen Tag später sind es immerhin auch die US-Ermittler, denen manches dabei spanisch vorkommt. Statt eines Terrorakts geplant von höchster iranischer Staatsstelle findet man viele offene Fragen, wer denn überhaupt wirklich die bösen Verdächtigen sein sollen. Was eine ernste Situation sein sollte wird zu einer makabren aber durchaus witzigen Posse, bei der man seinen schwarzen Humor unter Beweis stellen darf.

Ein Fall für Johnny English

Der Fall ist kurz erzählt: Es gibt da einen Autohändler, der ständig Handy und Schlüssel verlegt aber dazu trotzdem angeblich Mitglied der iranischen Eliteeinheiten sein soll und dabei einen Attentäter beim mexikanischen Drogenkartell gesucht hat. Rein zufällig spricht er dabei mit einem verdeckten Mitarbeiter der DEA (Drug Enforcement Administration). Wer an dieser Stelle eher an Teil 3 von Johnny English denkt, dem sei gesagt: Er ist nicht alleine.

Politisch brisant wird der Fall bei den Zielen. Natürlich ist auch Israel wieder mit dabei. Kein Wunder bei deren Art, mit Nachbarn umzugehen. Aber viel wichtiger ist das Hauptziel: Die Botschaft von Saudi Arabien. Es erscheint der US-Regierung logisch, dass der Iran seine Eliteeinheit als schusseligen Autoverkäufer tarnt, einen Attentäter in der Drogenszene sucht und dann in den USA die saudische Botschaft torpediert. Man dachte wohl an einen mit Koks vollgepumpten drogensüchtigen evangelikalen Handwerker mit Sprengstoffgürtel bewaffnet, der sich die Jungfrau Maria im Jenseits erhoffen würde und dabei wegen fehlender Nüchternheit auch noch in die falsche Botschaft einsteigt.

Posthum Dank an Leslie Nielsen

An dieser Stelle wollen wir dem leider schon verstorbenen Leslie Nielsen gedenken. Denn diese Story musste dem nie verfilmten Drehbuch von Teil 4 der „Nackten Kanone“ entliehen worden sein. Die Iraner besitzen bekanntlich ein Schurken-Rating von AAA (das Tripple-A). Darf man deswegen nicht auch etwas mehr Intelligenz von den Iranern bei derlei Planungen erwarten?

Immer mehr Zweifler melden sich auch in den USA zu Worte. Sogar die eigene Fraktion beginnt langsam von der Story Abstand nehmen zu wollen. Doch ungeachtet dieser Pleite will Obama zusammen mit der politisch leichtgewichtigen Ehefrau von Bill Clinton die Verbündeten dazu bringen, starke Sanktionen gegen den Iran zu richten.

US-Rating von Schurkenstaaten

Nun gut, der Iran ist sicherlich kein freies Land und zählt zu den Staaten in der Welt, die Menschen foltern und unterdrücken. Aber wenn diese Tatsachen die Gründe für starke Sanktionen sind, dann müsste man die halbe Welt mit Sanktionen belegen. Zum Beispiel China: Auch dort werden Menschen gefoltert und unterdrückt. Oder gar Saudi Arabien. Denn auch dort werden Menschen gefoltert und unterdrückt.

Der inzwischen US-erfahrene Europäer denkt sich seinen Teil: Ist es wieder einmal das perfide Denken der USA, man könne eigene interne Probleme durch außenpolitische Aktionen vertuschen? Ist es wieder einmal an der Zeit für die USA, einen klaren Feind zu haben, an dem man sich über lange Zeit ordentlich reiben kann? Es stimmt, das mit den Feindbildern ist in letzter Zeit etwas eingeschlafen. Die Finanzkrise schien halt wichtiger zu sein.

Obama kopiert Bush

Das mit den gezielten erstarken von Feindbildern ist bei Obama inzwischen nicht anders als bei seinem Vorgänger Bush: Die Umfragen sind schlecht, seine Ziele hat er alle samt verfehlt, seine Konjunkturprogramme fahren sich reihenweise selbstständig an die Wand. Da ist Erfolg notwendig, der wieder „uns Amerikaner einigt“. Denn „Amerika wird angegriffen“. So will Obama bei der rechten Wählerschaft punkten.

Der charismatische, positive vorausdenkende Obama ist gestorben. Der Obama, der für die arme Masse der US-Amerikaner etwas bewegen wollte, der ist verloren gegangen. Selbst als symbolisches Beispiel für den möglichen Aufstieg der schwarzen Bevölkerung in den USA taugt er nicht mehr. Aus dem schwarzen Obama der letzten Wahl ist ein alter schwarzer Bush geworden. Obama ist dabei aber weitaus gefährlicher als Bush, denn Obama ist rhetorisch deutlich höher zu bewerten als Georg W. Bush. Auch wenn man über Bush ähnlich wie über Stoiber deutlich mehr lachen konnte.

Achtung Satire

Brisant wird das Thema, wenn man den typischen Eigenschaften der USA freien Lauf lässt: Der Neigung zur Verschwörungstheorie. Warum könnten die USA und oder Saudi Arabien ein Interesse haben, dass die Botschaft der Saudis angegriffen wird? Vor allem auch warum soll dies von einem arabischen Nachbarn geschehen? Und warum muss das Attentat in den USA stattfinden? S. Holmes würde sagen: „Hat man erst einmal das Unmögliche ausgeschlossen, so muss, was bleibt – wie unwahrscheinlich es auch erscheinen mag – die Wahrheit sein“.

Das Ergebnis: Saudi Arabien kämpft intern mit der gefolterten und unterdrückten Opposition, der arabische Frühling ist auch dort angekommen. Saudi Arabien ist also auch ein Staat mit Folter und Unterdrückung. So gesehen wäre eben auch Saudi Arabien ein Schurkenstaat. Da die USA von der Familie Saud aber immer günstiges Öl bekommen haben, sind sie im Schurken-Rating eher auf der Stufe Tripple-C. Ein Osama Bin-Laden kam auch aus Saudi-Arabien. Er kam sogar aus der Nähe der Familie der Sauds. Aber das war nur ein Unfall, den die USA inzwischen bereinigt haben.

Saudis als Opfer der Freiheitsliebenden

Nun sind Täuschen und Ablenkung die typischen Mittel der US-Politik der letzten 30 Jahre. Da liegt es nahe, dass die USA den Saudis helfen wollen. Ein logischer Anschlag in Saudi Arabien selber wäre zu schwierig zu inszenieren gewesen. Also sucht man die USA als Ort aus. Das hat dann auch den Vorteil, dass die USA selber direkt eingreifen und den Schurken aussuchen können. Das sind die bekannten 2 Fliegen mit einer Klappe. Der Iran ist da ein dankbares Opfer. Früher wäre es halt der Irak gewesen. Man muss auch sagen: Der Irak mit Saddam Hussein an der Spitze hätte sich ähnliches merkwürdiges Szenario vielleicht sogar einfallen lassen. Aber man kann eben nicht alles haben.

Agent Provocateur

Nun sucht man sich noch ein passendes Opfer aus, das zwielichtig erscheinen muss, keine Lobby hat und dass man schnell mit Verdacht belegen kann. Ein Agent Provocateur wird zur Seite gestellt und schon finden wir einen Autoverkäufer in Verhandlung mit einem zufällig durch die DEA getarnten Drogenberater wieder. Unschuldig ist er durch den Agent Provocateur nicht mehr. Aber ist er deswegen ein Ninja-Fighter aus einem asiatischen Schurkenstaat? Quasi die Doppelnull aus Teheran? Es wäre nicht das erste Mal, dass in den USA ein derart verworrener Konstrukt von einem Verfahren über ein Urteil zu einem Krieg führen würde.

Am Ende zählt für die USA: Sie haben die Möglichkeit, ihre Verbündeten zu zwingen, den Iran zu verurteilen und die Saudis können ihren unterdrückten Mitbürgern wieder zeigen: Schaut her, wenn ihr uns nicht hättet, dann würde der Iran euch religiös erobern. Das ist in mehrerlei Hinsicht eine Win-Win Situation.

Neuer Präsident mit alten Lügen

Aber die USA haben sich verkalkuliert. Wir leben nun schon im 21. Jahrhundert und die USA kämpfen im finalen Endkampf um ihre Stellung als Weltmacht. Die USA siechen dahin, die Wirtschaft ist tot und die Schulden sind astronomisch. Zu viele Inszenierungen und Lügen haben das Vertrauen der Verbündeten in die USA erschüttert. Dazu hat dann einst Donald Rumsfeld seinen Beitrag zur Entfremdung geliefert, indem er Verbündete in die Nähe von Schurken stellte. Nur weil die Verbündeten eine freie und eigene Meinung hatten. Man muss sich als Verbündeter nicht wirklich alles von den USA gefallen lassen. Einzig Großbritannien folgt den USA, weil die Briten Europa und die EU geistig schon vor langer Zeit verlassen haben. Eine Insel im Kampf mit ihrer längst verlorenen Rolle.

Ein Hoch auf Moral und Würde

Es ist ein weiteres Beispiel, wie stark die USA als Weltmacht im Endstadium an Würde, Glaubwürdigkeit und Moral verloren haben. Es ist ein Beispiel, das selbst ein von vielen für positiv eingeschätzter Barak Obama auch nur ein ganz normaler US-Politiker ist. Ein Präsident der USA ist eben nicht der mächtige Mensch. Er ist auch nur ein Gefangener zwischen Wahlvolk, Geheimdienst und Wirtschaftsinteressen. Trotz allem wäre es an der Zeit, wenn man in den USA die Begriffe Moral, Glaubwürdigkeit und Würde wieder mehr in den Vordergrund stellen würde. Ansonsten hört man in den USA diese Worte höchstens auf den Parteitagsreden von evangelikalen Sektenmitgliedern.

In eigener Sache

Der Club of Politics ist nicht Anti-Amerikanisch eingestellt. Wir lieben die USA und wünschen den armen Bürgern alles Gute für die Zukunft. Wie immer sind es die Bürger, die unter ihren Politikern zu leiden haben. Der Club of Politics ist kein Freund des Iran. Wir verurteilen in vollster Weise deren Unterdrückung und Folterungen. Wir wünschen der Opposition alles Gute im Kampf gegen das Böse. Der Club of Politics nimmt sich das Recht heraus, eine Situation fair und neutral zu beurteilen. Wir verteidigen nicht den Iran. Wir verurteilen die USA dafür, dass sie zum widerholten Male genau den Pfad verlassen, für dessen Verteidigung sie sich so stark machen.

Wer einmal lügt,
dem glaubt man nicht.
Auch wenn er dann die Wahrheit spricht.

Club of Politics