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Guttenberg: Das elitäre Vorbild Politiker

Top Shot Hauptdarsteller Guttenberg. Quelle: User "Von Bundeswehr-Fotos" auf FlickrZuerst waren alle Anschuldigungen Schmarrn. Danach war vieles Blödsinn. Am Ende gab Kathy Guttenberg zu, dass seine Doktorarbeit ein einziger Blödsinn gewesen sei. Stufenweise stieg der Freiherr vom hohen weissen Ross und machte am Ende aus seiner Entschuldigungsrede gleich noch das Opfer eines Martyriums. Er sei auch nur ein Mensch. Hätte er es nicht gesagt, wir hätten es nicht vermutet. Der Freiherr ist ein einfacher Mensch. Da hatte ihn also die Realität wieder eingeholt. Doch ist es wirklich so einfach? Reicht für Lügen und Plagiate eines Politikers und Ministers ein einfaches Sorry aus? Wo sind denn nun die Vorbilder der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland? Ein Lügner an der Spitze Deutschlands – unseres Landes?

Über den Tatbestand wird hier im Club nicht zu lesen sein. Es ist die Tat eines Menschen, der offenbar so nicht zum ersten Mal gehandelt hatte. Es wäre eine Lachnummer, wenn sie nicht so hart Deutschlands Spitze treffen würde. Darüber berichten andere im Detail. Wir wollen die andere Seite betrachten: Können wir ob dieser anrüchigen Handlungen einfach wieder zum Alltag zurückkehren? Darf Guttenberg weiterhin sein Amt so ausüben wie er es vorher tat? Zwar hat er die Plagiate zugegeben und seinen Doktortitel will er zurückgeben (um dem Titelentzug zuvorzukommen). Doch nach wie vor gibt es den Vorwurf der Nutzung eines Ghostwriters und der illegalen Nutzung von Bundesdiensten als Abgeordneter für seine privaten Angelegenheiten. Der Ghostwriter würde zumindest die Qualität der Arbeit erklären.

Und was ist mit der Vorbildfunktion? Sie erinnern sich: Das Vorbild ist eine herausragende Persönlichkeit, die durch ihr Handeln der Gesellschaft und vor allem deren Kinder als vorbildlich gelten solle. Damit eben die Kinder sehen: Ehrlichkeit und Tugendhaftigkeit können sich lohnen. Die Vorbildfunktion, die ein Politiker, ein Minister und gerade ein Politiker mit möglichen Ambitionen haben sollte – diese blieb er nicht nur allen schuldig. Er schlug sie mit allem, was niederträchtig ist: Mit schlechten Lügen und mit billigem Schummeln. Ist diese Vorbildfunktion heute so wenig wert, dass man zum Alltag zurückehren darf? Kommt da wieder der fatalistische Spruch „sie lügen ja eh alle“, der alles heiligt? Wie können wir von unseren Kindern verlangen, dass sie wissen, wie man sich richtig und korrekt verhält, wenn die sogenannte politische Elite live im TV diesen Kindern aufzeigt, wie man richtig lügt. Dass es nicht so schlimm ist, wenn man seine Arbeiten zusammenkopiert, darüber in der Öffentlichkeit lügt und dann auch noch als seine eigenen Werke ausgibt. Dass man vorher diejenigen, welche die Wahrheit fordern, in die Nähe von Lügnern bringen darf.

Wie will diese Gesellschaft seinen Kindern Werte vermitteln, wenn man nun bei einem solchen Fall zum Alltag zurückkehrt, als wenn der Guttenberg einfach nur vergessen hätte, das Flaschenpfand abzugeben? Das Bild, dass so (und durch ähnliche Fälle) den Kindern vermittelt wird, ist klar: Betrüge und lasse dich nicht erwischen. Wenn du erwischt wirst, dann halte lang genug durch. Wenn Du dann gezwungen wirst, es zuzugeben, dann lerne einfach daraus: Beim nächsten Mal verheimliche deine Handlung besser. Das sind klare Vorbilder, um zukünftige Kleinkriminelle zu erzeugen. Mache einen Bruch. Wirst du erwischt, dann mache es nächstes mal besser.

Der Club of Politics hat anfänglich die Politik eines Guttenbergs unterstützt. Doch er ist abgewichen. Er hat sich hypen lassen und dabei den Boden verloren. Dass dies nicht das erste Mal ist, das zeigt seine Doktorarbeit: Der schnelle einfache Weg des Kopierens war ihm lieber als die eigentliche wissenschaftliche Arbeit. Aber genau das soll eine Doktorarbeit sein. Statt dabei ertappt sofort nach vorne zu schreiten, hielt er zunächst eine Privataudienz bei den Kollegen der Bildzeitung. Es sei alles verlogen. Andere Journalisten durften vergeblich warten und dann nach Hause gehen. So handelte man früher als sogenannter Gutsherr über seine Knechte. Auch ein Barschel handelte einst so und gab sein “Ehrenwort“ als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Kurze Zeit später lag er in Genf leblos in einem Hotel – gefangen in seiner eigenen abgehobenen Fantasie der Verschwörung gegen ihn.

Guttenberg zeigt also am Ende sein wahres Gesicht: Ein arrogantes und unerträgliches Gesicht, dessen Lügen bei ihm das klassische Augenblinzeln auslöst. Aber sein Gesicht zeigt auch die wahre Macht der visuellen Psychologie. Hätte er das Gesicht eines Gröhe oder Schäubles, die Öffentlichkeit hätte keine Minute gezögert, ihn fallen zu lassen. Aber Guttenberg hat ein gefährliches Gesicht: Es strahlt Unschuld und Ehrlichkeit aus. Das ist seine Kraft. Ein ACDC-TShirt, ein Daumen hoch und ein Lächeln und alle finden ihn hip. Die Haare nach hinten gelackt, ernster Blick mit zurechtgerückter Brille und Anzug und er ist der ehrliche strenge Politiker, der die Themen annimmt und die Dinge anpackt. Guttenberg profitiert von der visuellen Mediengesellschaft, die sogar dann weiterhin Spezialjoghurts ala Acti-dingsda kauft, auch wenn längst bewiesen ist, dass es nicht besser sondern einfach nur teurer ist und dazu mehr Zucker enthält. Die Wahrheit wird so nicht zu einem messbaren Aspekt sondern zu einer Variable auf Basis von psychologisch-visuellen Empfindungen.