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Die Glaubwürdigkeit der Piraten

Die Ergebnisse der Piraten sind nicht messbar, der Shitstorm ist eine häufige Form der internen Diskussion.

Dazu gesellen sich Menschen wie Julia Schramm, die noch mal schnell ihre jungen Biographien zu Geld machen. Was für alle gelten soll, das gilt nicht für sie.

Frau Schramm will, dass das Urheberrecht ihres Buches geachtet wird. Die Umkehrung der eigenen Meinung in der Frage des Urheberrechts zwischen Politik und eigenen Interessen macht den Fall piratisch schwierig. Doch war es das einzige Buch eines Piraten?

Was kommt als nächstes: Marina Weisbachs Memoiren mit dem Thema: Wie ich mich in meinem Studium Psychologie für die Politik und dann doch nicht aber eventuell bald wieder entschied? Frau Weisbach wird in der nächsten Zeit in der Tat ein Buch veröffentlichen. Die Datei der PDF-Version wird in der Tat keinen Kopierschutz tragen. Aber der Schutz werde nur deswegen nicht installiert, um die Kopierer nicht zu kriminalisieren. Das Kopieren selber sei weiterhin nicht gern gesehen. Was nach einer Farce klingen mag, entwickelt sich zu einer gesellschaftlichen Komödie voller Widersprüche.

Die sogenannten Stars der Piraten kommerzialisieren ihre einstige Öffentlichkeit inklusive Urheberrecht und verdeutlichen das Dilemma der Piraten. Man ist gegen etwas solange, bis es einem nützt.

Multiintellektuelle Sammlung

Die Piraten zeichnen damit in der Öffentlichkeit immer mehr das Bild einer losen Sammlung im Netz verstörter Menschen, die zwar online im Chat, per Twitter oder im Blog Wasser predigen aber im Reallife Champagner trinken will. Dieses Phänomen ist nicht neu: Schon in den 80ern gab es die sogenannten Adventure-Spiele, in denen sich Menschen aus der Realität in eine virtuelle – damals textbasierende –Welt verfingen.

Heute ist es wesentlich einfacher, sich Online zu verirren, weil die Industrie es besser versteht, diese Menschen zu binden. Wer also als dauerhafter Online-Gamer gegen den Kapitalismus wettert, der vergisst, dass es zum Beispiel in China längst Unternehmen gibt, die für diese Online-Gamer Coins erzeugen und an sie verkaufen. Das Online-Game ist die virtuellste Form des Kapitalismus. Die naive Gefangenheit und Blindheit im Netz suggeriert eine Wirklichkeit, die in der virtuellen Wirklichkeit besser ist, als es die wirkliche Wirklichkeit sein kann. Wer in der Virtualität ein König oder mutiger Kämpfer ist und in der Wirklichkeit ein normaler Mensch, der hat Probleme, die Realität zu akzeptieren.

Das Chart-Problem

Die Wichtigkeit, die eine Person in einem Chat – also außerhalb der Wirklichkeit – verspürt, verleitet die Person dazu, ohne Actio diese in der Realität als gegeben anzunehmen. Dieses psychologische Verhalten kongruiert zu dem Zustand, im Netz anonym zu sein und Beleidigungen in der Anonymität äußern zu dürfen, ohne in der Wirklichkeit dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Das Online-Mobbing nicht nur über Facebook ist ein gesellschaftliches Problem, das man lösen muss.

Das Mobbing im Netz ist kein neues Phänomen, sondern existiert schon seit der Erfindung der Chats Anfang der 90er. Es wurde von der Gesellschaft nur nicht bemerkt, weil die Anzahl der Mitwirkenden zu klein war. Man war damals auch meist gesellschaftlich und monetär bedingt volljährig. Monetär vor allem, weil man damals Verbindungen noch über 28.8K oder 56k Modem und ohne Flatrate über die Telefonleitung realisierte. Eine Stunde Internet bedeutete eine Stunde Ferngespräch. Kurz: Sehr viel Geld.

Quo Vadis?

Ein Blick zurück in die Gegenwart und in die Zukunft. Was sagt der Parteioberste zu den sinkenden Prognosewerten? Hat er die Deutungshoheit über diese Werte? Man munkelt, dass viele obere Piraten Ende 2013 schon mit 5 Prozent zufrieden wären. Aus jetziger Sicht ist dies ohne Kurskorrekturen und angesichts der Geschwindigkeit des Absturzes als illusorisch zu betrachten. Die Frage hier: Was soll denn aus der Partei werden, wenn selbst die oberen Piraten sich mit dem Umfrage nahezu öffentlich zufrieden geben?

Wer die Öffentlichkeit informiert, indem er per Twitter, Blog und SMS seine Meinung sagt, der darf sich nicht wundern, wenn es die breite Öffentlichkeit nicht mitbekommt. Wer zusieht, dass die wenige öffentliche Wahrnehmung darin besteht, dass man die internen Shitstürme der Piraten mitbekommt und dazu die urheberrechtliche Diskussion der geschützten Bücher der Star-Piraten verfolgen kann, der muss sich nicht wundern, dass er an Zustimmung verliert.

Es gibt manche, die die Medien dafür schelten, die Piraten schlecht darzustellen. Man wirft den Medien vor, die Piraten zu bashen. Nein, liebe Sympathisanten. Die Piraten liefern freiwillig das Material aus ihren multiintellektuellen Hirnen, das die Medien nur noch verarbeiten müssen. Das ist die Welt, das ist das Leben. Wer Blödsinn baut, der muss dafür gerade stehen. Es weder einen Reset-Knopf noch einen gehackten gespeicherten Spielstand.

Und: Wer andere mit harten Vorwürfen wie Kapitalismus und ekeligem Urheberrecht beschimpft, der muss sich nicht wundern, wenn etwas anderes zurückkommt. Ein alter Spruch wird wieder modern: Wie man es in den Wald ruft, so schallt es zurück.