*** Aktuelle BTW21 Prognose (19.10.2017 19:00:46 CET): CDU/CSU 32.3, SPD 20.9, AFD 11.8, FDP 10.8, GRÜNE 9.8, LINKE 9.5 ... Klicken Sie auf den Text für weitere Details ... ***

CDU und CSU ohne Partner: FDP unter 5%

Merkels worst case Szenario ist eingetreten: Die FDP rutscht mit Schwung in die Todeszone unter 5% ab. Darüber freuen sich vor allem SPD und Grüne: Sie hätten jetzt im Bundestag ein Mehrheitsverhältnis von 53:46. Selbst Überhangsmandate könnten der Union hier keine Hilfe mehr sein. Trotz historischer Tiefstände bei Union und Liberalen: Der Abwärtstrend setzt sich weiter fort. CDU und CSU scheinen den Sturz weiterhin verlangsamen zu können. Die FDP hingegen beendet die Ruhepause und stürzt sich den Abhang hinunter. Anders bei Sozialdemokraten und Grünen: Der steile Bullen-Markt ist nach wie vor in Takt. Während die SPD das Lager der Union bald überrundet, blicken die Grünen langsam in Richtung der 20%. Eine Gesellschaft verlagert sich und Meinungen strukturieren sich um.

Anhaltender Verschleiß: Union rutscht ab

Damit hätte die sichtlich alternde Bundeskanzlerin Angela Merkel (31,0 %-0,1) vor kurze Zeit wohl noch nicht gerechnet: Wären heute Wahlen, dann hätte sie neben der CSU keinen Partner mehr. Ihr würden die Optionen fehlen. Sogar die Sozialdemokraten müssten mit ihr nicht koalieren. Der selbstverliebte Führer der Liberalen FDP Guido Westerwelle hat seine Partei (4,7% -0,5) in seinem Folterkeller endgültig zu Tode geritten. Seine Parteifreunde starren weiterhin gebannt dem Untergang entgegen. Keine Palastrevolte. Nein, es ist die Freiheit, den eigenen Tod betrachten zu können. Aber Merkel hat genug eigene Probleme. Inzwischen weiß auch der letzte Bezirksverband von CDU und CSU: Mit dieser Frau ist keine Wahl mehr zu gewinnen. Denn die Stimmenverluste sind in Merkels Politik begründet. Darin kann sich die eigentliche CDU-Klientel nicht wiederfinden. Wer Politik gegen seine Wähler macht, dem fehlen irgendwann die Stimmen.

Sozen ante portas

Die Sozialdemokraten (30,3% +0,3) hingegen bestehen den Test bei ihrem Ausflug über die 30% Marke: Sie halten ihre Marke nicht nur, sie bauen sie sogar noch leicht aus. Das lässt weiterhin auf einen stabilen Aufwärtstrend deuten. Ganze 0,7 Prozentpunkte trennen die Sozialdemokraten von der CDU und CSU. Eine Überflügelung dieser Gruppe wäre ein ungemein bedeutsamer Prestigeerfolg, der auch eine Wende in der Loyalität der CDU gegenüber Merkel bedeuten könnte. Das Bild ist klar: Union als alte Frau Merkel am Boden und zerstritten in der Ecke liegend und daneben die ehemals alte Damen SPD als junge neugeborene Kämpferin mit dem Fuß auf dem Leichnam von CDU und CSU. Einen derartigen langfristigen Aufwärtstrend hat es in der Geschichte noch nicht gegeben. Selbst Schröders berühmte Aufholjagd bei den Bundestagswahlen 2002 kräftig unterstützt von der Oderflut wird damit in den Schatten gestellt. Denn dieser Aufwärtstrend gilt der SPD als Partei und keiner Person wie damals mit Kanzler Gerhard Schröder als Retter der Oderflut.

Grüne Hoffnung

Die Grünen (17,3% +0,5) durchbrechen die 17% Marke mit einer so unerwartet hohen Geschwindigkeit, dass dieser Wert wohl keine Widerstandslinien bilden könnte. Nichts deutet auf Widerstand Richtung 18% hin. Mancher Expertenzähler spricht gar von 20% als nächstes Ziel. Der Zuwachs der Grünen ist der Beweis für eine sich in Bewegung befindliche Gesellschaft, die gerade ihr Portfolio neu umstrukturiert. Wenn die Grünen weiterhin steigen und diesen Wert langfristig halten können, dann wird es in Deutschland zukünftig drei große Parteien geben. Das könnte das Leben der Politiker im Allgemeinen schwieriger machen aber der Demokratie eine kräftige Auffrischung geben. Zu dritt streitet es sich besser. Endlich muss bei Gesprächen mehr Bewegung erfolgen, endlich ist der Druck auf Einigung sehr hoch und damit ist auch der Erfolgsdruck enorm: Bei drei großen Parteien ist die Alternative immer sofort griffbereit. Aktuell profitieren die Grünen nach wie vor durch den Zuwachs von potentiellen Unions-Wählern, die aber aktuell nicht zur Wahl gehen würden. Man erkennt dies daran, dass CDU und CSU nur langsam verlieren. Das macht es für die Grünen so leicht. Die Union erkennt die schleichende Gefahr nicht.

ex-SED auf Tauchstation

Auch die Linke ex-SED (9,6% -0,4) soll nicht vergessen werden. Nachdem in der letzten Woche die 10% Marke noch gehalten werden konnte, wurde sie diesmal recht einfach nach unten gerissen. Es ist der tiefste Wert seit der offiziellen Ermittlung der Zahlen im Club of Politics. Im Mai lautete die Prognose noch 9,7% und konnte in der Woche darauf mit einem deutlichen Plus gekontert werden. Danach sieht es im Moment nicht aus. Aktuell ist der Strom der Überläufer an die SPD deutlich größer als im Mai.

Es könnte sein, dass sich die Linke ex-SED eher mit Werten in Richtung der 9% Marke vertraut machen muss. So langsam muss sich die ex-SED Gedanken machen, ob ihre aktuelle Strategie den Wähler in die Hände des Klassenfeinds treibt. Die Affäre Ernst und die angekündigte zukünftige Geheimhaltung von Mitgliederzahlen zeigt, wie viel SED in der Linken steckt. Bei Bedrohung durch den Klassenfeind (Korruption und Nutten gehören ja auch zumindest offiziell dazu) reagiert man mit Einkapselung. So erfahren wir allerdings leider nicht mehr, wie schnell der ex-SED die Mitglieder davon laufen. Angesichts der Altersstruktur der ex-SED wäre es faktisch sogar nicht mal übertrieben, von einem Davonsterben zu sprechen. Junge Leute in Deutschland politisieren sich zwar wieder zunehmend dank dem Schwarz-Gelben Chaos, aber mit der ex-SED will kaum einer etwas zu tun haben.

Die Selbstzerstörer auf Kurs

Die FDP (4,7% -0,5) verliert ganze 10% ihrer potentiellen Wähler aus der Vorwoche. Die mögliche Bodenbildung hat sich nicht etablieren können, die Liberalen bleiben weiterhin in ihrem steilen Abwärtskanal stecken. Nach unten sind nun keine Widerstandslinien mehr zu erwarten. Nimmt man die 70.000 FDP-Mitglieder und dichtet Ihnen noch jeweils 3 feinfühlige und mitfühlende Verwandte und Freunde dazu, dann kommt man auf ein Basispotential von 280.000 Wählern. Bei ungefähr 62 Millionen Wahlberechtigten und einer Wahlbeteiligung von 69% wären das ungefähr wohlwollende 0,7% bei einer Bundestagswahl. Da ist also noch genügend Luft nach unten.

Auch wenn es eine Wiederholung darstellt. Wie um der Freiheit willen kann die eigene Partei weiterhin zuschauen, wie ein selbstverliebter Eigendarsteller ohne Fortune wie Westerwelle die eigene Partei ruiniert. Er ist es nicht alleine. Aber wer in guten Zeiten sich als den Siegesmacher darstellt, muss in solchen Zeiten sich auch als das Problem wahrnehmen. Die FDP steckt mitten in Westerwelles Folterkeller aus Arroganz, Besserwisserei, Unwissenheit und eitler Eigenliebe. Das Image der FDP ist schrecklich und so schnell wohl nicht zu kitten. Für das Volk ist die FDP nicht modern. Sie hat nichts mit jungen Leuten zu tun. Sie ist nicht durchsetzungsfähig in einer Regierung. Sie ist mit der Hotel-Ermäßigung wieder in die Ecke der Klientel-Partei der leicht besserverdienenden abgedriftet. Sozial-liberale Gesichtszüge – wichtig in der heutigen Zeit – hat sich die FDP schon länger weggeschminkt. Die Partei ist hoffnungslos veraltet und reagiert verschreckt auf die Umwelt. Warum liebt uns das Volk nicht?

Das ist das Bild, das die Liberalen in der Öffentlichkeit ausgestalten. Und Personen wie Westerwelle, Brüderle, Lindner, Pinkwart und Koch-Merin haben selber nicht das Gesicht dazu, das Image der Partei zu wenden. Dieser Personen wird Herz abgesprochen. Sie können dem Volk kein Herz zeigen. Sie werden vor allem kalt und arrogant wahrgenommen. Auch diese Analyse des Club ist nicht neu. Aber da sich die führenden Liberalen weiterhin nicht bewegt, haben alte Verbesserungsvorschläge weiterhin Bestand.

Priaten zurück vom Landurlaub

Unerwartet ins Rennen sind die Piraten (2,5% +0,1) zurückgekehrt. Sah es letzte Woche noch nach einem sich ankündigenden Widerstand aus, so konnten die Freibeuter zumindest die Hälfte der Verluste wieder zurückholen. Wenn die Gesamtentwicklung so weitergeht, dann könnten die Piraten demnächst mit der FDP um die Plätze streiten. Ein schwacher Trost für die Liberalen.

Aber es gibt eine kleine Chance für die Piraten: Eine alte sich selber zerstörende FDP könnte den Piraten eventuell die eine oder andere junge Stimmen bringen – wenn denn noch junge Wähler in den Zahlen der FDP vorhanden sind. Auf jeden Fall ist dies ein Zeichen, das die Piraten zumindest von den Zahlen her den Landurlaub beendet haben. Die Außendarstellung befindet sich aber nach wie vor irgendwo in einer dunklen Kajüte und wartet auf ihre Befreiung.

Fazit: Wer will Rot-Grün noch verhindern

Der langfristige Trend hat diesmal die Hürden der Realität genommen: Rot und Grün haben aktuell eine gute Mehrheit. Und der Trend spricht dafür, dass diese Mehrheit noch ausbaufähig sein könnte. Angesichts der starken positiven Trends der beiden Parteien muss man sich inzwischen fragen, wo denn die Grenze der beiden Parteien ist. Der Wähler ist von Schwarz-Gelb angewidert, das steht fest, aber eine derartige langfristige Gegenreaktion auf das Ergebnis den letzten Bundestageswahl 2009 und vor allem deren Folgen ist unerwartet. Man merke: Das Volk ist erwacht und verzeiht nicht mehr so schnell.

Für CDU und CSU ist der schlimmste Fall eingetreten: Der eigentlich ungeliebte Partner FDP ist aus dem Bundestag abgetaucht und die Grünen sind langfristig wohl kaum bereit, diese Union zu unterstützen. Quo vadis Union. Jetzt fehlt nur noch eine Ursula von der Leyen als benannte potentielle Nachfolgerin von Merkel. Dann könnte die Union sich als Masochistentruppe mit einer alternden Dominatrix darstellen. Das würde noch für das Dschungelcamp reichen.