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Der Augustputsch der UdSSR

Club of PoliticsWir wissen nun, dass Putin selber Mitglied des Geheimdienstes war und auch heute noch zur Spitzengruppe des inneren Geheimdienstes der Russischen Föderation gehört.

Doch um nun Putin Machtwillen, Machtspiele und vor allem seine Antriebenergie zu begreifen muss man etwas tiefer in die Geschichte zurückgehen. Man muss zum Ende der UdSSR zurückgehen und den Augustputsch betrachten.

Das Scheitern dieses Putsches war der Grund für Wladimir Putins spätere Entscheidungen und Machteroberung. Für seinen Weg an die Macht über das geschickte Verbiegen der Verfassung und dem Tod der jungen russischen Demokratie. Quasi eine spätere Konterrevolution.

Der Osten rief nach Freiheit

Am Ende der UdSSR stand Präsident Michail Gorbatschow. Er musste zusehen, wie immer mehr Länder und Republiken der UdSSR durch den Ruf nach Freiheit in Unruhe versetzt wurden. Die DDR konnte er leichten Herzens gehen lassen. Die UdSSR bekam von Bundeskanzler Helmut Kohl ausreichend Devisen und Kredite zur Stützung der UdSSR.

Es ist einem Kanzler Kohl zu verdanken, dass er die Lage richtig einschätze und ohne überheblichen Druck die Freiheit Ostdeutschland von Gorbatschow erkaufte. Was die westlichen Alliierten dazu sagten war an dieser Stelle irrelevant. Doch es war nur eines der Steine, die aus der UdSSR herausbrachen. 1989 hatte Polen nach über 9 Jahren Kampf mehr Freiheit erobert. Direkt vor den Toren der UdSSR. 1990 und 1991 erklärten dazu als erstes die baltischen Republiken Litauen, Lettland und Estland ihre Unabhängigkeit.

Russlands Augustputsch

Das Ende der UdSSR lag also nahe. Doch es kam anders, als es der Geheimdienst geplant hatte. Denn das Ende der UdSSR bildete vor allem desen Putschversuch gegen Präsident Michail Gorbatschow. Dazu finden wir wieder in den offizielle Quellen bei Wikipedia:

Auf die Unabhängigkeitsbewegung der baltischen Staaten reagierte Gorbatschow mit militärischer Gewalt, die im Vilniusser Blutsonntag im Januar 1991 gipfelte.

Am 19. August 1991, einen Tag bevor Gorbatschow und eine Gruppe der Staatenführer der Republiken den Unionsvertrag unterzeichnen sollten, versuchte eine Gruppe orthodoxe kommunistische Politiker, die sich selbst Staatliches Komitee für den Ausnahmezustand (GKTschP) nannte, die Macht in Moskau zu ergreifen.

Zusammen mit einem Teil des Militärs unternahmen sie einen Putschversuch in Moskau, währenddessen Gorbatschow, seine Frau Raissa und die Leibwache drei Tage unter Hausarrest in einer Datscha im Krimgebiet standen. Dem damals neugewählten Präsidenten der Teilrepublik Russland, Boris Jelzin, gelang es, die sowjetischen Putschisten auszuschalten und die Staatsgewalt zu übernehmen. Damit war die Sowjetmacht in die Hände der Russischen Föderation übergegangen, was einen Tag nach der Niederschlagung des Putsches die Unabhängigkeitserklärung der Ukraine zur Folge hatte. Während Gorbatschow diese zunächst ignorierte, erkannte er – nach dem Scheitern des Augustputsches de facto durch Jelzin entmachtet – noch im gleichen Monat die Unabhängigkeit der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen an.

Obwohl die Ukraine ihre Unabhängigkeit bis zu einem Referendum aussetzte, erklärten bis auf Russland nach und nach auch die anderen Sowjetrepubliken ihre Unabhängigkeit. Insbesondere in den zentralasiatischen Republiken geschah dies jedoch hauptsächlich, um – erfolgreich – der lokalen KP-Führung Macht und Pfründe zu sichern. Gorbatschows in den Folgemonaten unternommener Versuch, die Sowjetunion als eine eher lose Konföderation zu retten, scheiterte am Widerstand der Ukraine, ohne deren Mitgliedschaft auch Russland nicht zu einer neuen Union bereit war.

Rücktritt als Präsident

Nach dem misslungenen Putsch wurde die Tätigkeit der KPdSU auf russischem Boden durch Boris Jelzin verboten, die Putschisten („Bande der Acht“) wurden festgenommen. Jelzin erließ ein Dekret zum Verbot der Tätigkeit der KPdSU auf russischem Boden während einer weltweit übertragenen Ansprache Gorbatschows vor dem russischen Parlament und unterbrach Gorbatschows Rede zur Verkündung seines Erlasses. Gorbatschow – nicht nur sowjetischer Präsident, sondern zu diesem Zeitpunkt auch noch Generalsekretär der gerade für illegal erklärten KPdSU – wirkte völlig überrumpelt. Diese demütigende Machtdemonstration Jelzins gegenüber Gorbatschow beschleunigte den Abspaltungsprozess der übrigen Republiken, da sich die Entmachtung des Zentralstaates zu Gunsten der Teilrepubliken vor aller Welt eindrucksvoll manifestierte. Es ist fraglich, ob sich Jelzin der vollen Tragweite seiner Handlung bewusst war.

Am 25. Dezember 1991 trat Gorbatschow als Präsident der Sowjetunion zurück.“

Offiziell wurde dafür also die KPdSU als Putschistengruppe verurteilt. Doch es darf bezweifelt werden, ob sich Politiker der KPdSU wirklich zu solch einem Putsch haben alleine hinreißen lassen. Man werfe nur einen Blick auf dessen Mitglieder (Wikipedia). Die Mitglieder dieses Komitees und Mitinitiatoren waren:

  • Wladimir Krjutschkow, Vorsitzender des KGB
  • Boris Pugo, Innenminister
  • Dmitri Jasow, Verteidigungsminister, Marschall der Sowjetunion
  • Walentin Pawlow, Ministerpräsident
  • Gennadi Janajew, Vizepräsident der UdSSR, Vollmitglied im Politbüro der KPdSU
  • Walentin Warennikow, Stellv. Verteidigungsminister, Oberbefehlshaber der Bodentruppen
  • Oleg Schenin, Vollmitglied des Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU
  • Oleg Baklanow, Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU
  • Waleri Boldin, Abteilungsleiter im Zentralkomitee der KPdSU
  • Wassili Starodubzew, Vorsitzender des Bauernverbandes und Kolchos-Rats
  • Juri Plechanow, KGB-General und Leiter der Bewachungsdienste
  • Anatoli Lukjanow, Vorsitzender des Obersten Sowjets der UdSSR

    Jelzin vereitelte den Putsch

    Der Großteil dieser Menschen war Mitglied im inneren Geheimdienst und das ist kein Zufall, denn der Geheimdienst war der eigentliche Initiator und Strippenzieher hinter diesem Putsch. Was der Dienst nicht vorhergesehen hatte war, dass ein Boris Jelzin mit seiner Popularität die Bevölkerung auf seine Seite bringen und so den Putsch vereiteln konnte.

    Es ist die böse Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet ein Mensch den Putsch zum Scheitern brachte, der wenige Jahre selber dank Alkoholismus zu einem bewegungslosen und von seiner Tochter gesteuerten und zerbrechlichen Menschen wurde.

    Der Rest ist bekannt: Die UdSSR zerfiel und Russland begab sich 1993 auf den Weg in eine semipräsidiale Demokratie. Russlands Glück war aber gleichzeitig sein Pech: Der populäre Boris Jelzin war selber zunehmen nicht in der Lage, Russland mit einer strukturierten und makroökonomisch sinnvollen Politik aus dem Bankrott der UdSSR zu befreien. Russland konnte den Sturzflug aus der UdSSR nicht bremsen und verfing sich in seine eigene Lethargie. Davon wiederum profitierte Putin …

    Fortsetzung folgt.

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