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Die neue alte Welt des Gordon Gekko

Club of PoliticsEine Bewertung auf Basis von politischen, volkswirtschaftlichen und finanzmathematischen Methoden findet man in den Ratingagenturen nicht. Es sind US-Amerikaner, die ihren eigenen Staat USA nicht abwerten dürfen. So werden sie Spieler in einem virtuellen ersten Weltwirtschaftskrieg und dürfen ohne Angst vor Reaktionen europäische Staaten öffentlich diskreditieren.

Banken ohne Verantwortung

Die Banken sind da nicht weniger sensibel. Dass Investmentbanken keinerlei Verantwortung empfinden, war deren erste Reaktion auf den Hebel des Rettungsschirms auf 1 Billionen Euro zu entnehmen. Wie das ohne Zusatzzahlungen funktionieren soll kann keiner so genau sagen.

Fest steht bei diesem Hebel: Die Banken bekommen eine kostenlose Rückversicherung beim Kauf von Staatsanleihen. Der Steuerzahler wird es am Ende in der Staatsverschuldung und in höheren Steuern merken. Aber die Investmentbanken reagieren auf eine solche Nachricht mit einem kleinen Kaufrausch an der Börse.

Kaufrausch am Anfang des Abschwungs

Man merkt, dass selbst erfahrene Investmentbanker das Gefühl für Wirtschaft verlassen haben. Man kauft Aktien in einem Markt, der in den Abschwung und dann in die Rezession fällt. Aber wen kümmert es, denn neuerdings werden Verluste vom Staat und somit vom Steuerzahler beglichen. Die Kosten sind gering: Es gibt keinerlei Kreditzins, der zu entrichten wäre. Es gibt keinerlei Risiko, da man den Staat nur mit der eigenen Insolvenz bedrohen muss, damit er die Ersparnisse der einfachen Bürger und somit auch die verursachenden Banken rettet.

Aufgabe der Banken

Die Aufgabe der Banken werden nicht mehr erfüllt, bei jeder Krise reagieren sie mit Misstrauen untereinander und stoppen den für den Markt notwendigen Kapitalfluss. Kredite bleiben aus, Investitionen werden nicht getätigt, der Markt kommt zum Erliegen. Man wartet auf den Staat und auf die EZB und reagiert erst einmal nicht. Das ist verständlich, denn weder Betriebswirtschaft noch von Volkswirtschaft ist im Knowledge-Management der Chef-Etagen dieser Banken zu finden. Immerhin das normale Addieren reicht, um den wachsenden Bonus berechnen zu können.

Man hatte zum Beispiel in der HSH Nordbank einen Mathematiker eingestellt, der wohl ein mathematisches Genie gewesen sein mochte. Er machte seine Karriere in der Zeit der New-Economy-Blase. In jener Zeit brauchte man kein Studium, um Geld zu machen. Damals wurde jede neue Aktie kurzfristig zu einem Verkaufsschlager. Zur Geschichte und Zukunft von Herrn Nonnenmacher und der HSH Nordbank empfehlen wir Quellen wie Wikipedia.

Deregulierter Markt

Wer meint, der Markt reguliert sich selber, der hat in den letzten 4 Jahren gesehen, dass dies nicht funktioniert. Lupus est homo homini. Der Mensch ist sein eigener Wolf, der Mensch kennt keine Grenzen, wenn es um einen direkten Konkurrenzkampf oder um das Horten von Ressourcen (zum Beispiel Boni) geht.

Wir sehen es in unserem Umgang mit der Natur und im Umgang mit Nahrungsmitteln: Draußen in der Welt verhungern die Menschen weil die Investmentbanker mit einem Optionshandel (Wettscheine) auf jene Lebensmittel wetten. Was einst dem Bauern den Betrag für das Investment in der nächsten Saison vorzeitig sichern sollte, das wird von den Investmentbankern als perverses Börsenspiel behandelt. Die Preise für Nahrungsmittel steigen ins unermessliche, weil Banker mit ihnen spielen dürfen und darauf wetten.

Verlorene Bindung zur Gesellschaft

All das zeigt, dass Banker und vor allem Investmentbanker ihre eigentliche Bindung zur Gesellschaft verwettet oder verloren werden. Sie verstehen nicht mehr denn eigentlichen Sinn einer Gesellschaft. Sie denken ständig an den globalen Markt und meinen die Spekulation rund um die Uhr. Dass es eine globale Gesellschaft gibt – die Menschen – das ist bei ihnen in Vergessenheit geraten. Kein Wunder, ein gelernter Investmentbanker verfügt nicht über die Ausbildung, um die Auswirkungen seiner Aktionen vorhersehen zu können. Jede seiner Aktionen wird nur noch in kurzfristigem Gewinn und Verlust von Geld bewertet. Fehlende Menschlichkeit wird einfach durch Zynismus gegenüber den Menschen ersetzt. Er hält sich selber für die Spitze der Gesellschaft, obwohl er seine eigene Mitgliedschaft schon längst verwettet hat.

Der Investmentbanker ist kein Volkswirtschaftler, der etwas vorausschauender und vorsichtiger agieren müsste. Daraus folgt: Es ist an der Zeit, den Investmentbankern klare Regeln und vor allem Grenzen aufzulegen. Sie sind wie die Guppy-Fische: Am Ende, wenn es nichts mehr zu essen gibt, dann essen sie den eigenen Nachwuchs. Dieser schwimmt bei den Guppys immer in den Mund, weil er dort Schutz bekommt. Der Schutz gilt solange, bis der Investmentbanker Hunger bekommt. Dann verschluckt er seine Nahrung.

Finanzwirtschaft außer Kontrolle

Es ist also an der Zeit, dass die Menschen das aus der Kontrolle geratene Kind Finanzwirtschaft wieder einfangen. Das Kind durfte über viele Jahre wüten und immer mit dem Verlust eines Wirtschafts- und Finanzstandortes drohen. Die Lobby der Banken in der Politik ist riesig. Man hat Geld genug, um meinungsfördernde Maßnahmen zu erbringen und umzusetzen. Sie haben sich eine Macht aufgebaut, die fast über die Macht der Staaten hinausgeht. Wenn jetzt nicht die Bremse angezogen wird, dann ist die Macht bald nicht mehr zu stoppen. Das Geld mag der Staat drucken, doch gehören tut es bald nur noch den Banken.

Was gibt es für Möglichkeiten, die Finanzwirtschaft unter Kontrolle zu bringen? Dazu mehr im Folgebeitrag.

Fortsetzung folgt.

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